Algarve und Wein
Die ersten nachweisbaren Weinanbauten in Portugal datieren tausende von Jahren zurueck. Viele der Eroberer haben einen wichtigen Beitrag zu der Ent-wicklung des portugiesischen Weines von heute beigetragen.
Wissenschaftlich unterlegte Theorien erwaehnen die ersten Weinplantagen auf der iberischen Halbinsel bereits 2000 BC, angelegt von den Tartessen. Neue Traubensorten wurden von den Phoenizern so frueh wie 1000 Jahre BC eingefuehrt. Die Griechen folgten mit hoeher entwickelten Anbautech-niken im 7ten Jahrhundert BC und die Kelten brachten weitere neue Sorten mit als sie um das Jahr 600 BC begannen, den Weinanbau zu dominieren.
Etwa 200 Jahre BC eroberten die Roemer diese Territorien. Um den Wein-bedarf ihrer fuer die damalige Zeit gewaltigen Truppen zu befriedigen, musste der Weinanbau stark ausgebaut werden. Insbesondere in dieser Periode fand eine herausragende Entwicklung der Anbaumethoden als auch der Produk-tion statt. Als in Rom die Qualitaet des Weines aus der iberischen Halbinsel verstanden wurde, entstand eine starke Nachfrage nach dem starken und fruchtigen Wein der Region. Alte Schriften belegen, das trotz Ausbau der Kapazitaeten die Nachfrage oft das Angebot ueberstieg und die Preise des Weines nach oben trieb.
Der Name der roemischen Provinz Lusitania, dem heutigen Portugal, wird auf Luso zurueckgefuehrt. Die Mythologie sagt, dass Luso der Kamerad oder auch Sohn des Bachus, dem Gott des Festes und des Weines war.
Ungeachtet religioeser Widersprueche schadeten die nahezu fuenf Jahrhun-derte maurischer Herrschaft dem Weinanbau kaum. Die Mauren kultivierten nicht nur neue Weinberge sondern begannen auch neue Exportmaerkte zu erschliessen. Lediglich im 11ten und 12ten Jahrhundert gewannen fundamen-talistische Kreise groesseren Einfluss und es erhoben sich Forderungen, die Schrift des Korans enger als bisher auszulegen. Dies wiederum fuehrte zu einem deutlichen Rueckgang der Exportaktivitaeten.
Wein war das meistexportierte Produkt des Landes als der Staat Portugal gegruendet wurde. Um und nach dem Jahre 1350 stieg die Weinanpflanzung und -produktion stark an, was einen signifikanten Aufschwung des Exportes mit sich brachte.
Ende des 14ten Jahrhunderts begann die portugiesische Flotte die Welt zu entdecken. Nahezu all diese Schiffe hatten portugiesischen Wein an Bord, was den Portugieser zum bekanntesten Wein der Welt machte.
Gute Beziehungen zwischen England und Portugal resultierten zu Beginn des 18ten Jahrhunderts in praeferierten Zollrechten fuer portugiesischen Wein, was natuerlich dem Export guten Auftrieb gab. Kurze Zeit spaeter wurde Alto Douro zu einem definierten Weinanbaugebiet, dem ersten der Welt, in dem Weinqualitaet und –produktion einer wirklichen Kontrolle unterlagen.
Erst die Reblaus, die im 19ten Jahrhundert nahezu alle europaeischen Weinberge zerstoerte, brachte die Dynamik des Weinanbaus in Portugal nahezu zum Stillstand. Waehrend sich andere Laender schneller erholten, verlor Portugal seine Stellung auf dem internationalen Weinmarkt. Die Situation verbesserte sich gegen Ende des 19ten Jahrhunderts, doch erst in den letzten 20 Jahren sieht man wieder Anzeichen der frueheren Staerke. Unter den groessten weinproduzierenden Laendern lag Portugal im Jahr 2007 weltweit an der siebten Stelle.
Die Weine, die in der Mitte und dem Norden Portugals produziert wurden, waren auf dem internationalen Markt bereits seit laengerer Zeit relativ bekannt. Weine aus dem Alentejo dagegen finden ihre Anerkennung –obgleich von sehr hoher Qualitaet und den hochgepriesenen franzoesischen Weinen oft ueberlegen- erst seit ca. 15 Jahren.
Einige recht gute bis ausgezeichnete Weine haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass auch die Algarve in den Focus von Weinliebhabern gerueckt ist.
Der algarvianische Wein mit Schwerpunkt auf die Gegend um Lagoa war schon in der Vergangenheit recht populaer in Portugal, da die Region geographische Vorteile fuer den Weinanbau wie kaum eine andere in Portugal hat.
Die suedliche Lage mit durchschnittlich 3.000 Sonnenstunden pro Jahr, entwickelt ein sehr angenehmes Mikroklima. Letzteres wird beguenstigt auf der einen Seite durch die Anbindung an den Atlantik und auf der anderen Seite durch die Huegelkette der Serra von Monchique. Waehrend die Huegel einen grossen Teil der kalten Winde des Nordens fernhalten, bilden sie auch einen nach Sueden ausgerichteten Schutzwall der die Waerme speichert.
Diese Komponenten koennen die Grundlage fuer einen perfekten Wein mit einem gut ausgebildeten fruchtigem Geschmack, hoeheren Alkoholwerten und geringerer Saeure sein.
Wie ueberall im Leben genuegt es aber nicht, wenn man gute Ausgangsvoraussetzungen hat, sie aber nicht nutzt. Ein perfekter Wein fordert nicht nur das richtige Wetter und den richtigen Boden sondern auch sehr viel professionelle Arbeit im Weinberg und spaeter im Weinkeller. Wein sollte nicht einem Einheitsgeschmack unterworfen werden sondern zu seinem regionalen Charakter stehen.
Die Kunst der Weinproduzenten liegt jetzt darin, alle Staerken aus diesen regionalen Sorten herauszuholen. Massenproduktionen sind nicht der Weg um qualitativ hochwertigen Wein zu erzeugen und auch kein Weg fuer die Algarve um den portugiesischen und den internationalen Markt zu erobern.
Dies wurde in den vergangenen Jahren von einer kleinen Reihe algarvianischer Weinproduzenten verstanden und umgesetzt. Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Wein mit tatkraeftiger Unterstuetzung des mediterranen Klimas, erheblicher Investitionen in den Weinkellern und genug Enthusiasmus und Arbeit seine internationale Anerkennung findet.
Im Weinberg
Die Algarve hatte zwischen November und Februar 2006/07 etwas weniger Regenfall als waehrend eines normalen Winters und relativ warme Tempera-turen. Es folgte ein warmer Fruehling und die Knospen an unseren Wein-stoecken brachen in der letzten Maerzwoche bei recht trockenen Wetter-verhaeltnissen auf. Die fruehen Sommertemperaturen erreichten bereits 30 Grad Celcius; die Rebbluete begann in der letzten Woche des Aprils unter ausgezeichneten klimatischen Verhaeltnissen.
Diese ist ein sehr wichtiges Element des Weinbaus. Kaltes Wetter oder zuviel Regen koennten den Fruchtstand beschaedigen und auch zu Ertrags-rueckgaengen fuehren. Eine regulaere Bluete dagegen fuehrt zu normalem Traubenwuchs, der Basis fuer hohe Qualitaet.
Moderater Regen von Maerz bis Juni sicherten eine normale Entwicklung und ein schnelles Wachstum der Trauben. Ein heisser und trockener July folgte. Um die Weinqualitaet zu erhoehen und um staerkere Farben und Geschmack, aber auch um mehr Phenole zu erzielen, begannen wir in der zweiten Julywoche die Trauben auszuschneiden. Dieser Vorgang wird auch gruene Ernte genannt, da die Trauben in diesem Zeitraum anfangen langsam ihre Farbe zu veraendern. Besonders stark hatten wir den Castelao ausgeschnitten. Casteloa, auch als Perequita bekannt, ist ein herzhafter, robuster und trockener roter Wein wenn er regualer in groesseren Mengen pro Hektar produziert wird. Diese Sorte kann allerdings auch stark aufgewertet werden, wenn man der Pflanze die Moeglichkeit gibt ihre Kraft in eine reduzierte Menge von Trauben einzubringen. In unserem Fall wurde die moegliche Produktion um etwa 50% reduziert, was zum Glueck erfolgreich war. Im Dezember 2007 konnten wir diesen Wein in die hoechste Kategorie einstufen und haben ihn zur weiteren Reifung in franzoesische Eichenfaesser umgefuellt.
Soweit waren die klimatischen Bedingungen weitgehend normal. Wir erwarteten hohe Temperaturen im Sommer; dies insbesondere da grossse Teile Suedeuropas unter einer extremen Hitzewelle litten. Gluecklicherweise entkam die Algarve dieser Hitze und auch den zum Teil sehr starken Regenfaellen, die die Mitte und den Norden Portugals heimsuchten.
Juli bis Ende August brachten insgesamt angenehme Temperaturen nahezu ohne Regen. Diese Wetterkombination waehrend dieser wichtigen Reifephase resultierte in einem verlangsamten Zuckeraufbau und half die Sauere in den Trauben zu belassen. Dies war sehr willkommen, da diese gelungene Gradwanderung zwischen Alkohol und Sauere verspricht, dass 2007 ausgeglichene Weine mit guter Farbe und Struktur erzeugt werden koennen
Ernte und Weinverarbeitung
Die Traubenernte begann relativ spät am 24ten August und endete am 26sten September. Die durchschnittliche Produktion der Sorte Periquita wurde auf etwa 3.900 kg pro Hektar reduziert. Von Aragones kamen 3.800 kg pro Hektar in die Produktion, Trincadeira wurde auf 3.200 kg pro Hektar beschränkt.
Unerwartete Regenfälle Ende August und auch Mitte/Ende September forderten einiges an Flexibilität in unserem Ernteplan. Stetiger Sonnenschein unmittelbar nach den Regenfällen verhinderte jedoch, dass die Trauben-qualität durch die zu diesem Zeitpunkt unerwünschte Feuchtigkeit litt.
So konnten wir die Trauben zumeist unter perfekten Bedingungen pflücken. Die Trauben wurden in kleinen Körben mit jeweils 10 kg Fassungsvermögen gesammelt. Die geringere Groesse der Sammelkörbe verhindert, dass unnötiger Druck auf die sensiblen Trauben einwirkt, was zu einer vorzeitigen Vergärung führen könnte.
Danach wurden die Trauben über Nacht im Kühlraum heruntergekühlt und gingen erst am nächsten Tag in die Verarbeitung. Auf Förderbändern wurden dann die Trauben einer strengen Selektion unterworfen. Dies gewährleistet eine gleichbleibende Qualität, da grüne Blätter bzw. unreife oder faule Trauben zu Geschmacksbeeinträchtigungen führen könnten.
Nachdem die Trauben mechanisch von den Stielen getrennt und angepresst wurden, blieben Trauben und Schalen während des ersten Gärprozesses für 8 bis 10 Tage zusammen in einem Gärtank aus Edelstahl.
Für einen Teil unseres Weines wählten wir elektronisch kontrollierte offene Gärbehälter. Diese erlauben einen ständigen Kontakt von Schale und Fruchtsaft mit Sauerstoff. Die permanente Umwälzung durchbricht dabei die obenliegende festere Schicht und sorgt dafür dass die Schalen sich möglichst intensiv mit dem späteren Wein vermischen. Während dieses Prozesses wird der Fruchtzucker in Alkohol umgewandelt und Farbe als auch wichtige Phenole aus den Schalen extrahiert.
Unsere gesamten Weinproduktionsanlagen wurden in diesem Jahr erneuert, was uns erstmals ermöglichte, während des Gärprozesses eine strikte Temperaturkontrolle zu gewährleisten.
Unsere Weinberge erzeugten in dieser Saison einen gehaltvollen Wein mit kräftiger Farbe. Am Ende der ersten Gaerung wurde das Schalen-/Fruchtgemisch gepresst und der Jungwein von den Schalen getrennt. Die anschliessende malolaktische Fermentation, deren wesentliches Ziel im Weinanbau der Abbau des Restzuckers sowie der Umwandlung der schaerferen Apfelsauere in die mildere Milchsaeure ist, wurde unmittelbar danach in speziellen Lagertanks eingeleitet.
Die besten Weine, die eine hohe Marktakzeptanz versprechen, bekommen nach der malolaktischen Gaerung noch die Moeglichkeit sich in neuen Holzfaessern aus franzoesischer Eiche weiterzuentwickeln. Die Lagerung und Weiterverarbeitung in diesen 225 l Faessern ist zwar recht kosten- und zeitintensiv; es erlaubt allerdings ansonsten verborgen bleibendes Entwicklungspotential und Geschmacksintensitaeten freizulegen bzw. zu gestalten.